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Bericht von der 14. Fachtagung Supervision in kirchlichen Feldern

Tradition – Supervision - Innovation

Kontexte besser sehen können

Besser sehen können, so kann man das Ziel der 14. Fachtagung Supervision in kirchlichen Feldern von 13. bis 16. März 2017 in der Thomas-Morus-Akademie bei Köln zusammenfassen. Schon zu Beginn bekamen die 120 teilnehmenden Supervisorinnen und Supervisoren eine Lupe überreicht, um so symbolisch den Blick auf das Tagungsthema Tradition-Supervision-Innovation zu schärfen.

In ungewissen Zeiten erleben wir oft eine rasante Verflüssigung von Dingen, die bisher als verlässlich und stabil angesehen wurden. So machte der katholische Theologe Professor Rainer Bucher in seinem Eröffnungsvortag mit pastoral-theologischer Perspektive unter der Überschrift „Liquid church in a liquid modernity“ deutlich, dass die Aufgabe von Supervision in solchen Zeiten darin bestehen könnte, das übliche katholische „Halbdunkel“ aufzuhellen, die pastorale Kreativität der Mitarbeiter/innen von Lähmung zu befreien und die Supervisanden/innen zum Kern ihrer geistlich-professionellen Motivation zu führen.

Am nächsten Tag wurde der Blick durch die organisationsdynamische Brille auf das kirchliche Feld gelenkt. Sichtbar wurde dabei die Gleichzeitigkeit unterschiedlichster bis gegensätzlicher Positionen und Verfasstheiten in der Kirche: Erhabenheit, Enge, Unfreiheit, Priesterzentrierung, Überlastung, Abgrenzung zur Gesellschaft ... sind genauso zu beobachten, wie der Gang an die Ränder, die Suche nach neuen Formen das Evangelium zu verkünden und die Wahrnehmung eines großen Freiheitsraums.

Mit der Methode oder besser gesagt der Haltung, die „Effectuation“ anbietet, wurde am dritten Tag ein Modell beschrieben, sich trotz vieler Ungewissheiten, wo es letztlich hingehen wird, einfach mit „Verbündeten“ auf den Weg zu machen und dabei die vorhandenen Ressourcen zu nutzen.

Die Brille der Supervision, die beraterische Perspektive, wurde danach in verschiedenen Workshops aufgesetzt, um zu erörtern, wie Innovation und supervisorische Praxis zusammenzubringen sind. Letztlich ist es immer Aufgabe der Supervision Reflexionsräume zu bieten, um „besser sehen können“ und zu verstehen, Phantasieräume zu eröffnen für neue Ideen und neue Bilder von Wirklichkeit, und gleichzeitig Mut zu machen, sich auf den Prozess einzulassen, „Vertrautes“ aufzugeben und Neues zu wagen und so den Prozess zwischen den Polen Tradition und Innovation aktiv zu gestalten.

Und das in einer Kirche, in der das Alltagsgeschäft vermeintlich keine Luft für Innovation zulässt, die Strukturveränderungen vielfach im Blick auf Priesterzahlen geplant werden und wenig Lust zum Experimentieren zu spüren ist.

Lust an Kirche vermittelte dann am letzten Tag überraschenderweise die Außensicht des Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, der vor allem den Zusammenhang von Humor und Religion in den Blick nahm, denn wenn man lacht, gewinnt man eine notwendige Distanz. Und wie in der Supervision lassen sich so Handlungsspielräume erweitern.
Fazit der Tagung: Supervision hat gerade in Zeiten von Ungewissheit eine wichtige Funktion. Es ist nicht Aufgabe von Supervision und Coaching die Kirche zu verändern, sondern vielmehr die Menschen zu begleiten, die dorthin unterwegs sind, deren Blick auf die Vielzahl der Möglichkeiten zu weiten, damit auch sie „besser sehen können“.


Thomas Goltsche, Supervisor (DGSv), Sprecher der Konferenz der Diözesanverantwortlichen für Supervision in den deutschsprachigen Bistümern (http://www.supervisioninderkirche.de)

Andreas Würbel, Referent in der Thomas-Morus-Akademie Bensberg

Die Vorbereitungsgruppe, die mit optischen Geräten das „besser sehen können“ symbolisiert. Von links nach rechts: Ulrich Fink, Ulrike Dobrowolny, Andreas Würbel für die mitveranstaltende Thomas-Morus-Akademie Bensberg, Annette Lentze für den Kooperationspartner DGSv, Thomas Goltsche als Sprecher der Konferenz der Diözesanverantwortlichen für Supervision, Ulla Stollenwerk als Koordinatorin der Vorbereitungsgruppe, Vera Meyer, Claudia Enders für den Kooperationspartner DGfP und Dietmar Hahn, nicht im Bild Susanne Deitert

Die Vorbereitungsgruppe, die mit optischen Geräten das „besser sehen können“ symbolisiert.
Von links nach rechts: Ulrich Fink, Ulrike Dobrowolny, Andreas Würbel für die mitveranstaltende Thomas-Morus-Akademie Bensberg, Annette Lentze für den Kooperationspartner DGSv, Thomas Goltsche als Sprecher der Konferenz der Diözesanverantwortlichen für Supervision, Ulla Stollenwerk als Koordinatorin der Vorbereitungsgruppe, Vera Meyer, Claudia Enders für den Kooperationspartner DGfP und Dietmar Hahn, nicht im Bild Susanne Deitert.

Der Link auf die Tagungsergebnisse wird hier in Kürze zur Verfügung gestellt!

Ankündigung / Save the date:

Die 15. Fachtagung Supervision in kirchlichen Feldern findet vom 18. – 21.März 2019 in Ludwigshafen statt.